Qualitätsicherungsbericht

Das alte Modell

Früher hatten wir ein System, das tolle und einmalige Features hatte:
"Man beachte den gewichtsoptimierten Fahrersitz.
Durch bremsen oder beschleunigen neigungsverstellbar,
Quick-Out-Montage, Low-Level-Komfort, Echtholz massiv,
Vierpunkt-Befestigung durch Schwerkrafteinwirkung.
(Sozusagen “ein früher Recaro”, Modell »school´s out«)"

Das Modell und der Hersteller waren zwar nicht sonderlich repräsentativ (zu wenig High-Tech an Bord, es fehlten auch die allseits beliebten "Fenster"), aber die Zuverlässigkeit war legendär. Das System tat schon fast zu unauffällig seinen Dienst -man konnte damit fahren- aber man wünschte, einige Dinge zu optimieren. Vor allem mehr Bequemlichkeit war gefordert und die Sicherheit sollte erhöht werden. Ein bischen weniger Patina und eine bessere Energiebilanz würden auch nicht schaden, befand man.

Nach gründlicher Befragung kompetenter Berater entschied man sich für
einen sehr renommierten Hersteller mit bestem Ruf und untadelig modernem
Konzept. 
 

Das neue Konzept

Dem Beratungsergebnis lagen die Standards und Daten der Demoversion zugrunde.
Obwohl die in der Beratung avisierten Kosten recht hoch schienen, entschied man 
sich trotz allem für den prestigeträchtigen Hersteller. Man kaufte einfach ein gebrauchtes
(und somit in der Praxis bewährtes) System.
Dies wurde allgemein akzeptiert, vor allem, da man von vornherein die Notwendigkeit 
einiger individueller Anpassungen im Konzept einplante. Dies würde mit den
im eigenen Haus zur Verfügung stehenden Mitteln und Fachkräften geschehen.

Der aktuelle Zustand

Das folgende Bild zeigt den aktuellen Zustand des beschafften Systems, fünf
Jahre nach Inbetriebnahme und mit etlichen anwenderspezifischen Änderungen:
 
BMWfahrenwollen

Der Projektleiter berichtet:
    Die im Altsystem fehlenden Fenster wurden zugunsten der Offenheit des Systems durch eine fehlende Karosserie ersetzt.

    Da keine Karosserie zur Befestigung von Fenstern vorhanden ist, redet keiner mehr darüber.

    Das System wurde durch maximale Tieferlegung und elektrische Deaktivierung (keine Verbindung zur Stromversorgung) wesentlich sicherer gemacht.

    Der (schon alleine durch den Namen) die Anwender stark verunsichernde Explosionsmotor wurde auf Betreiben des Personalrates ersatzlos gestrichen. 

    Weitere Argumente des PR gegen die Nutzung des Features "Motor": Am Arbeitsplatz des Systemnutzers nicht tolerierbare Emmision von Lärm, Vibration und Gestank und die unergonomische Art der Energiezufuhr (es sei denn, man installiere wieder sogenannte "Tankwarte" an den betreffenden Stellen). Diese wären natürlich aufgrund des hohen Risikos durch die Arbeit an einem explosionsgefährdeten Arbeitsplatz nach der entsprechenden tariflichen Zusatzvereinbarung zu entlohnen.

    Die zuletzt genannten Massnahmen behindern zwar in einem gewissen Grad die Fortbewegung (man geht halt vorerst zu Fuss), jedoch war das Mass der Mobilität im Pflichtenheft nie so genau definiert und wird daher bei diesem System als vernachlässigbar angesehen.

    Durch den Verzicht auf Energieverwendung jeglicher Art wurde die Öko-Bilanz des neuen Systems in einem ungeahnten, selbst von den Beratern nicht erwarteten Mass optimiert. Die Berater gehen sogar davon aus, mit diesem Teilkonzept auch beim Hersteller unter dem Aspekt des Flottenverbrauchs einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen.

    Bis heute wurde noch kein nennenswerter Unfall mit dem System verzeichnet, was wiederum die Richtigkeit der Tieferlegung bestätigt. 

    Ein besonders beliebtes Feature ist die rein virtuelle Verbindung der Steuerung mit dem Restsystem: so kann der verantwortliche Systembetreiber bei Erkennen einer Gefahrensituation die Steuereinheit blitzschnell weit von sich werfen (oder an seinen Nachbarn weiterreichen) und so jederzeit behaupten er sei es nicht gewesen...

    Die Verkabelung ist zwar erkennbar komplexer als im Altsystem, jedoch auch wesentlich flexibler (leider gleichzeitig auch funktionsfrei, aber davon stand ja auch nix im Pflichtenheft...). Man überlegt, im Rahmen eines zukünftigen (kostenpflichtigen) Updates die Elektrik mit Hilfe eines Qualitätssicherungszirkels zu entflechten und anschliessend eventuell komplett zu entfernen. Zur Zeit wird über dieses Vorhaben ein Gutachten erstellt. Das Ergebnis steht noch aus.

    Das Markenzeichen ist besser sichtbar als am Altsystem und sorgt für mehr Renomee.

    Zusammenfassend ist also festzuhalten: Die ernormen Fortschritte wurden zwar mit einigen vorher nicht erkennbaren marginalen Funktionseinschränkungen erkauft und billig war die Umstellung auch nicht, aber aufgrund der eindeutig positiven bisherigen Entwicklung in den Bereichen Offenheit, Sicherheit und Prestige kann diese zukunftsträchtige Investition ungeachtet des hohen Aufwandes durchaus für ähnliche Einsatzzwecke uneingeschränkt empfohlen werden. Ausserdem kann aufgrund der richtungsweisenden Energie-Bilanz mit einer wesentlich eher eintretenden Amortisation als ursprünglich geplant gerechnet werden

    Die Projektleitung
    (nach Diktat verwaist)

und weiter?

Dieser Bericht wurde an die vorgesetzte Dienststelle übermittelt. Aus technischen Gründen leider ohne Bilder - der Schreibkraft im Sekretariat war das Einbinden von Grafiken in WordTM nicht geläufig. Trotzdem wurde das “Kölner Modell” weltweit berühmt und aufgrund seiner Beispielhaftigkeit zum neuen allgemeingültigen Standard erhoben.